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Pressebericht von Willibald Schenk in der "Nassauischen Neuen Presse" vom 11.05.2011

 

Elzer Musikanten lassen die Zirkuspferde galoppieren

Das Frühjahrskonzert im Bürgerhaus begeisterte das Publikum mit vielen schönen Melodien

Mit einem besonderen Konzert wurden die "Elzer Musikanten" wieder einmal ihrem guten Ruf gerecht. Das Publikum sparte nicht mit Applaus.

Elz. Paul Pfeiffer nahm mit seinen Musikanten den wohlverdienten Applaus entgegen.	Foto: SchenkPaul Pfeiffer nahm mit seinen Musikanten den wohlverdienten Applaus entgegen. Foto: Schenk Wenn der Musikverein "Elzer Musikanten" sein traditionelles Jahreskonzert am Vorabend des Muttertages veranstaltet, dann kann man stets davon ausgehen, dass das Programm eine wegweisende Richtung einnimmt. Zu dieser Überzeugung kamen sicher wieder die vielen Besucher aus nah und fern, die ein sowohl anspruchsvolles als auch unterhaltendes Repertoire zu hören bekamen.

 

Der Mittelpunkt des Konzerts stand unter dem Thema "Zirkus", den das Stammorchester unter seinem bewährten musikalischen Leiter Paul Pfeiffer in der Hauptsache zu absolvieren hatte. Auf die Idee, die Paul Pfeiffer vorgab, muss man erst einmal kommen. Und dass Schulklassen mit dem Motto in Berührung kamen, zeigte sich in einem Malwettbewerb mit attraktiven Preisen.

Eigens hatte Bürgermeister Horst Kaiser dafür die Schirmherrschaft übernommen. In Vertretung des in Urlaub weilenden Ortsoberhauptes überreichte der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Josef Neu, die gestifteten Geldpreise im Verlaufe des Konzerts an die Kinder. Die jungen Preisträger, die ein Bild mit dem Thema "Zirkus" zu malen hatten, wurden von einer Fachjury der Elzer Künstlerwerkstatt prämiert. Damit wurde auch dargestellt, dass Musik und Malerei sich wunderbar ergänzen können und das schöpferische Tun so kreativ einfließen kann.

Doch zunächst hatte das Vororchester der "Elzer Musikanten" das musikalische Sagen. Es sind alles junge Spielerinnen und Spieler, die teilweise nach der musikalischen Früherziehung mit allen möglichen Blasinstrumenten vertraut gemacht wurden. Hier bewährte sich erneut die Zusammenarbeit mit der Kreismusikschule Limburg, die es ermöglicht, junge Talente durch qualifizierte Fachlehrer gezielt auszubilden.

Und das Ergebnis konnte sich hören lassen. Unter der Leitung von Peter Schreiber, dem Leiter der Limburger Einrichtung, begannen die fast 35 jungen Akteure zunächst mit der "Ameisenfarm" von James Curnow, der sich beschwingte Stücke im Sinne des Spirituals beziehungsweise des Boogie anschlossen. Die jungen Musiker bekamen den verdienten Applaus, ebenso das Jugendorchester des Musikvereins, das unter der Leitung von Paul Pfeiffer steht.

Erstaunlich, welches Niveau die junge Gemeinschaft um Paul Pfeiffer erreicht hat. Mit dem James Curnow’s "A day at the circus" bezogen sich die Jungmusikanten, von denen einige bereits die Stammorchester-Reife aufweisen können, auf das Thema des Abends. Rock, Pop und Evergreens nehmen gerade bei den jungen Leuten eine besondere Stellung ein. Und der musikalische Leiter weiß genau, wie er sie mit dem Jugendorchester umzusetzen hat, nämlich begeisternd swingend.

Dann das Stammorchester selbst, das sich drei volle Tage für die Vorbereitung des Konzerts zu einem Probenwochenende zurückgezogen hatte. Stefan Blättel als fachkundiger Moderator führte dann das begeisterte Publikum jeweils in die mit Spannung erwarteten Titel im und um den Zirkus ein. Doch Paul Pfeiffer wählte zunächst als Vorblock zum Hauptthema, das sich an die Pause anschloss, "The Musical Village" des namhaften holländischen Komponisten Jacob de Haan (geb. 1959). Das war tänzerisch geprägt und erinnerte stark an den englischen Tanz "Charleston", der in den 30er-Jahren oft im alten Elzer "Hasenbau" zu hören war. Jacob de Haan ist auf dem Gebiet der Blasmusik ein vielseitiger Komponist, der die Registerfarben des Blechs und der Holzbläser wirkungsvoll umzusetzen weiß.

Kurz vor der Pause erlebten die Zuhörer mit dem vom österreichischen Komponisten Otto Schwarz (geb.1967) geschaffenen Bläserwerk "Mont Blanc" eine Besonderheit mehr. In dieser Komposition wird die Besteigung des über 4800 Meter großen Berges wunderschön tonmalerisch vorgestellt: den Blick auf den Gipfel, Gefahren, Schneestürme, Vogelstimmen. Und das alles in der Imitation der Instrumente, fast naturgetreu, wobei das Gewitter im Perkussionselement äußerst dramatisch zur Geltung kam.

Nach der Pause dann eine großartige Titelauswahl unter Bezugnahme auf das Leitthema "Zirkus". Angefangen mit dem Marsch aus dem Film "Circus" von Isaak Dunajewski, über den "Zauber der Manege" (Menschen, Tiere Sensationen) und die "Erinnerung an Zirkus Renz" von Gustav Peter bis hin zur "Parade oft he charioteers" von Miklos Rosza folgten Höhepunkte über Höhepunkte. Hier hatten die Solisten neben dem Stammorchester ihre großen Publikumserfolge. Zum Beispiel Markus Linscheid (Trompete) bei "O mein Papa" mit überaus filigraner Bläsereleganz einschließlich der Tripelzunge. Oder der äußerst begabte junge Perkussionist Lukas Oberbauer, dessen solistisches Tun am Xylophon im "Zirkus Renz" große Begeisterung auslöste.

 

Hommage an Charly Faist

Nach dem markanten Schlussaufgebot der Musikanten, die im traditionellen Marsch "Abschied der Gladiatoren" im Arrangement von Franz Bummerl noch einen weiteren Glanzpunkt setzten, folgte noch eine unerwartete Zugabe. Es muss ja nicht immer der "Radetzky-Marsch" von Strauß sein. Nein, eine Reminiszenz an den legendären Charly Faist, jenes Original, der "Elz, mein Heimatland" verfasst und vertont hat, war mal etwas anderes.

In einer Bläsereinrichtung von Stefan Kramer hatte das Auditorium Gelegenheit, das Lied in allen Strophen mitzusingen, dessen Refrain lautet: "Es liegt so schön im Westerwald, ein Dorf, mein Elz, mein Heimatland". Dem war nichts mehr hinzufügen. Höchstens der überwältigende Applaus, den alle Mitwirkenden gleichermaßen entgegennehmen konnten. Ein wirklich schönes Konzert!

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